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Doublefeature Die sichtbare Frau

Die Kamera lügt, sagt die Protagonistin, doch es ist ihr Sohn, der hinter der Kamera steht und sie filmt. Das vermeintliche Trugbild wird zum wahrhaftigen Abbild einer berührenden Flucht aus den Zwängen vorgefertigter Rollenbilder. Diesem einfühlsamen, persönlichen und großen Dokumentarfilm steht ein Spielfilm gegenüber, der virtuos ein ganzes Leben erzählt, das sich im finsteren Dschungel einer sterbenden patriarchalen Gesellschaft verliert und schließlich wiederfindet.

Den Filmemacher*innen beider Werke gelingen gleichermaßen große wie zauberhafte Erzählungen, welche den Kampf der Frauen um persönliche Freiheit weit über die Quotendiskussion hinaushebt.

20:30 Freitag, 28. August 2020
Doublefeature „Die sichtbare Frau“ – Teil 1
Bürgermeistergarten

The Disappearance of My Mother
2019, Beniamino Barrese

Benedetta ist 75 Jahre alt und hasst nichts mehr als das Objektiv. Die Kamera lügt, sagt sie, doch es ist ihr Sohn, der hinter der Kamera steht. Lüge und Wahrheit verrinnen ineinander, das vermeintliche Trugbild wird zum wahrhaftigen Abbild. Benedetta war in den 1960er Jahren ein begehrtes Supermodel, ständig vor jener Kamera, die das Abbild eines Frauentyps erzeugte, mit dem Produkte an den Mann gebracht werden.

Ihr Sohn nimmt bereits als Kind die Kamera in die Hand und beginnt die Mutter zu filmen. Barrese wird auf diese Art und Weise zum Kameramann und Regisseur eines unmittelbaren und persönlichen Films, mit dem er den Abschied seiner Mutter aus den Zwängen der Rollenbilder dokumentiert, die sie ihr Leben lang erfüllen musste. Der Film ist aber nicht nur mehr als der Kampf zwischen Mutter und Sohn, er ist auch weit mehr als die Schilderung einer ewigen Liebe. Barrese schafft es, authentisch zu sein und sich selbst ohne Scham zu entblößen. Er erlaubt uns zuzusehen, ohne dass wir zu Voyeuren werden.

Mit
Benedetta Barzini

Kamera
Beniamino Barrese

Schnitt
Valentina Cicogna

Produzent
Filippo Macelloni

Produktion
NANOF Production
Ryot Films

Produktionsland
Italien

Länge
94 Minuten

20:30 Samstag, 29. August 2020
Doublefeature „Die sichtbare Frau“ – Teil 2
Bürgermeistergarten

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão
2019, Karim Aïnouz

Die Lebenswege der beiden einander eng verbundenen Schwestern Guida und Eurídice werden im Dschungel veralteter gesellschaftlicher Strukturen und Konventionen getrennt.

Der algerisch-brasilianische Regisseur Karim Aïnouz geht mit der formalen Konsistenz eines Bildenden Künstlers ans Werk und setzt diesen Zugang kompromisslos um. In der französischen Kamerafrau Hélène Louvart und der deutschen Editorin Heike Parplies findet er kongeniale Mitstreiterinnen, die der Erzählung jene Perspektive verleihen, die sie so zwingend macht. Der bis ins letzte Detail virtuose, aber nie überladene Film formuliert in seiner Dringlichkeit das zwingende Bedürfnis nach einem gesellschaftlichen Wandel - und berührt gleichzeitig zutiefst.

Mit
Carol Duarte
Julia Stockler
Gregorio Duvivier
 
Drehbuch
Murilo Hauser

Kamera
Hélène Louvart (AFC)

Schnitt
Heike Parplies (BFS)

Ausstattung
Rodrigo Martirena

Kostüm
Marina Franco

ProduzentInnen
Rodrigo Teixeira
Michael Weber
Viola Fügen

Produktion
RT Features
Pola Pandora
Sony Pictures
Canal Brasil
Naymar

Produktionsland
Brasilien

Länge
139 Minuten

15:00 pm Sonntag, 30. August 2020
Bürgermeistergarten

Die sichtbare Frau
Podium

Das Bild der Frau in der Gesellschaft ist im Begriff, sich zu wandeln. Den einen geht das zu schnell, den anderen viel zu langsam. Wie begreift wir uns selbst und was bedeutet Gleichberechtigung jenseits der Quote?

 

Chris Lohner
österreichische Journalistin, Autorin, Moderatorin, Kabarettistin und Schauspielerin

Benjamino Barrese
Regisseur The Disappearance of My Mother

Gabrielle Stemmer
Regisseurin Clean With Me [Nachwuchsprogramm 3]

Lena Kuzmich
Regisseurin Gaze With Me [Nachwuchsprogramm 3]

 

Wegen der Corona Reisebeschränkungen ist zur Zeit unklar, ob alle FilmemacherInnen anreisen können.