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Doublefeature Die geraubte Zukunft

Die ProtagonistInnen der Filme sind jung und dazu verdammt, die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen. Verantwortlich für ihr Schicksal sind aber nicht sie selbst, sondern die politische Entwicklung in ihrer Heimat.

In den Plattenbauten einer schottischen Industriestadt, in ihrer Größe vergleichbar mit Wiener Neustadt, wachsen die Enkelkinder der Stahlarbeiter auf, deren Betriebe bereits vor dreißig Jahren geschlossen wurden. Meisterhaft verschränken die Filmemacherinnen die Entwicklungsstränge der Hautfiguren zu einer dramaturgisch geformten Erzählung, in deren Mittelpunkt eine junge Frau steht. Ebenso berührend wie poetisch erzählt der Spielfilm die Geschichte eines minderjährigen Jungen, der als Drogenkurier missbraucht wird. Dabei ist dieser Plot keineswegs fiktional. So wie es den DokumentarfilmerInnen gelingt, zu einer dramaturgischen Erzählung zu finden, benutzt dieser Spielfilm die Fiktion, um eine andere, bittere Schattenseite der vom Thatcherismus geprägten Gesellschaft eindringlich zu dokumentieren. Zwei große Filme, deren Bedeutung vor dem Hintergrund des Brexit eine zusätzliche Dimension gewinnt.

17:00 Freitag, 28. August 2020
Doublefeature „Die geraubte Zukunft“ – Teil 1
Stadttheater

County Lines
2019, Henry Blake

In Großbritannien werden Minderjährige aus den unteren sozialen Schichten als Drogenkuriere missbraucht. Traurige Realität einer Gesellschaft, in der jeder auf sich allein gestellt ist. Regisseur Henry Blake benutzt die Form der vermeintlichen Fiktion, um das Thema zu durchdringen und innere Vorgänge sichtbar zu machen. Dabei beschriebt er minutiös, wie der junge Tyler in die Fänge skrupelloser Dealer gerät, die Gesellschaft wegschaut und seine Mutter einen aussichtslosen Kampf um das Leben ihres Sohnes kämpft.

Tyler wird von dem blutjungen Conrad Khan dargestellt, der das gesamte Spektrum der Existenz seiner Rolle in einer Art auf der Leinwand entfaltet. Die formal überaus konsistente Kameraarbeit bleibt zurückhaltend und wird gerade dadurch so eindringlich. Szenen- und Kostümbild gestalten raffiniert und stets jenseits der vordergründigen Wahrnehmbarkeit.

Mit
Conrad Khan
Ashley Madekwe
Harris Dickinson
 
Drehbuch
Henry Blale

Kamera
Sverre Sørdal FNF

Schnitt
Paco Sweetman

Ausstattung
Phoebe Darling

Kostüm
Sharon Long

ProduzentInnen
Victoria Bavister
David Broder

Produktion
Loupe Films
Two Birds Entertainment

Produktionsland
Großbritanien

Länge
101 Minuten

13:00 Samstag, 29. August 2020
Doublefeature „Die geraubte Zukunft“ – Teil 2
Stadttheater

Scheme Birds
2019, Ellen Fiske, Ellinor Hallin

»Motherwell« ist der Name einer Industriestadt in der Nähe von Glasgow, in ihrer Größe vergleichbar mit Wiener Neustadt. Sie war das Zentrum der schottischen Stahlproduktion, die vor 30 Jahren zusammenbrach. Davon hat sich die Stadt bis heute nicht erholt.

Regisseurin Ellen Fiske und ihre Kamerafrau Ellinor Hallin führen uns ganz nahe an die Protagonisten heran und machen ein Geflecht aus Lebensumständen und Beziehungen in Motherwell sichtbar, aus dem sich die Jugendlichen befreien und zu ihrem Leben finden sollen und dabei zum Scheitern verurteilt sind. Fiske und Hallein erzählen aber auch das Epos einer großen Heldin der Wirklichkeit. Meisterhaft verschränken sie die Erzähl- und Entwicklungsstränge der Jugendlichen zu einer gekonnt umgesetzten Dramaturgie und finden zu einer Form, in der jedes Bild den richtigen Ton anschlägt. Fiske und Hallin gelingt ein berührendes und poetisches Werk inmitten einer brutalen und feindseligen Realität. Das erhebt diesen Dokumentarfilm aus dem Sumpf entbehrlicher TV Reportagen zu einem großen Kunstwerk, das sich mutig gegen die vermeintliche Tristesse stemmt.

Kamera
Ellinor Hallin

Schnit
Hanna Lejonqvist

Produzent
Mario Adamson

Produktion
Sisyfos Film

Produktionsland
Großbritanien

Länge
90 Minuten

14:45 Samstag, 29. August 2020
Bürgermeistergarten

Die geraubte Zukunft
Podium

Die ProtagonistInnen der Filme sind jung und dazu verdammt, die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen. Verantwortlich für ihr Schicksal sind aber nicht sie selbst, sondern die politische Entwicklung in ihrer Heimat. Über die Auswirkungen des Thatcherismus und die Perspektiven der Jugend in Großbritannien vor der Kulisse des Brexit diskutieren:

 

Dr. Martin Eichtinger
Landesrat für internationale Beziehungen
2015 - 2018 Österreichischer Botschafter im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland

Dr. Melanie Sully
Autorin, Beraterin, war u.a. für das BMEIA, OSZE, den Europarat, House of Commons Committee on Standards tätig, Professorin für Politikwissenschaft u.a. an der Diplomatischen Akademie Wien und der Birkbeck, University of London.

PhD Rose Anne Gush
Kunsthistorikerin und -theoretikerin an der Universität für Angewandte Kunst Wien.

Henry Blake
Regisseur »County Lines«

Conrad Kahn
Hauptdarsteller »County Lines«

 

Wegen der Corona Reisebeschränkungen ist zur Zeit unklar, ob alle FilmemacherInnen anreisen können.